Ein sicheres Zuhause
für Frauen und Mädchen
in Tansania

Pippi House Foundation

Der Name der Foundation leitet sich vom suahelischen Wort Pippi für Süßigkeiten ab. Es soll den Charakter des Hauses als Zufluchtsort für die Mädchen und Frauen darstellen, die hier leben.

Aristides Nshange – Gründer der Pippi House Foundation

Aktuelle Zahlen

Bewohnerinnen
1

leben zur Zeit im Pippi House.

Schlafzimmer
1

gibt es im Pippi House

Gründung
1

Gegründet wurde die Foundation 2011 von Aristides Nshange.

Pippi House Foundation

Ein Frauenhaus -
Sicherheit für Frauen und Mädchen

Die Pippi House Foundation for Girls ist das einzige Frauenhaus in der tansanischen Großstadt Arusha. Der Name ist dabei keineswegs Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf entlehnt, sondern deutet den Charakter des Hauses als Zufluchtsort an, indem er das Wort für Süßigkeiten in der Landessprache Swahili – „Pippi“ – enthält. Derzeit beherbergt das Haus ca. 70 Mädchen und junge Frauen im Alter von 7 bis 20 Jahren, die zuvor auf der Straße gelebt haben, als Dienstmädchen verkauft wurden oder Opfer von Kinderarbeit, Kinderhandel oder Prostitution geworden sind. Einige von ihnen waren schwanger oder hatten bereits Kleinkinder, als sie im Pippi House aufgenommen wurden.

Gegründet wurde das Pippi House 2011 vom tansanischen Pfarrer Reverend Aristides Nshange, der bei seiner Arbeit als Sozialarbeiter bemerkte, dass alle Unterstützung in der Stadt sich auf männliche Waisen- oder Straßenkinder konzentrierte. Mädchen im Teenageralter, besonders Schwangere oder junge Mütter, fielen durch das sowieso schon weitmaschige soziale Netz des tansanischen Staats oder privater Initiativen. 

Das Ziel ist es, den Mädchen eine Perspektive zu bieten. Neben einem Schlafplatz, Nahrung und Sicherheit, leistet die Foundation Starthilfe bei der (Wieder-) Eingliederung in ein normales Leben. Grundlage dafür ist eine gute Ausbildung. Allen Bewohnerinnen wird ein Schulbesuch ermöglicht – auch über die in Tansania kostenlose Grundschulbildung hinaus. Die Mädchen bekommen Unterstützung beim Lernen und später, nach dem Schulabschluss, Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum, einem Studium oder einem festen Job.

Mit verschiedenen Projekten innerhalb der Einrichtung wird die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein der Mädchen gefördert, sie entdecken ihre individuellen Stärken, haben einen geregelten Tagesablauf und arbeiten auf angemessene Art und Weise für ihren Lebensunterhalt. Die Pippi Foundation for Girls ist deshalb genau genommen nicht nur ein Projekt, sondern eine ganze Reihe verschiedener, beziehungsweise aufeinander aufbauender Projekte. 

2021 gründete ProManity e.V. eine internationale NGO und baute ein neues Haus. Seit 2022 leitet die ehemalige Bewohnerin Agnes Masaki das Pippi House. Ihr Wissen als Peer-Helferin ist dabei von größter Bedeutung. Neben ihr arbeiten 4 weitere tansanische Frauen in der NGO, um die Mädchen bestmöglich zu unterstützen. 

Ein Blick ins Pippi House 🎥

Während des Aufenthalts von Johanna im Juni 2025 in Arusha hat sie ein Video im Pippi House gedreht. Darin nimmt sie Euch mit auf einen Rundgang durch unser Frauenhaus: Ihr bekommt Einblicke in die Räumlichkeiten, erfahrt mehr über das Leben vor Ort und seht, wie wir hier arbeiten.

Das Pippi House ist für viele Mädchen und Frauen mehr als nur ein Dach über dem Kopf – es ist ein sicherer Ort, an dem sie Schutz, Bildung und neue Perspektiven finden. Mit diesem Video möchten wir Euch einen authentischen Eindruck geben, wie es bei uns aussieht und was Eure Unterstützung möglich macht.

👉 Schaut Euch das Video an und gewinnt einen direkten Einblick in unseren Alltag im Pippi House!

DAS SCHOLARSHIP PROGRAMM

Der Weg in ein selbstständiges Leben

Unser großes Ziel in der Zusammenarbeit mit dem Pippi House ist es, den Frauen den Weg in ein selbstständiges Leben zu erleichtern. Um unabhängig von der Unterstützung von Hilfesystemen und anderen Menschen zu werden und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Das Pippi House ist eine   Unterstützungsform, welche den Frauen ein Lernfeld für ein selbstständiges Leben bietet.  Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin Judith Msuya entwickelten wir das Sholarship Program.

Unser Scholarship Program ist ein Projekt, welches als Zwischenschritt zwischen dem Pippi House und einem selbstständigen Leben gesehen werden soll.

Unser Konzept sieht wie folgt aus: 

Wir bieten Frauen aus dem Frauenhaus, welche bereits einen Schulabschluss oder eine Ausbildung haben, die Möglichkeit in eine eigene Wohnung in der Nähe des Pippi House zu ziehen. Wir statten die Wohnungen mit einer Grundausstattung aus und übernehmen die Miete für die ersten sechs Monate. Die Frauen, die in diese Wohnung einziehen möchten, müssen ein Bankkonto eröffnen und einer geregelten Arbeit nachgehen. Die Sozialarbeiterin des Pippi House schaut regelmäßig bei den Frauen vorbei und unterstützt sie in den Anforderungen des alltäglichen Lebens. Nach rund sechs Monaten wird unsere Unterstützung beendet und die Frauen managen ihr Leben selbstständig.

Im Februar 2021 zogen die ersten drei Frauen aus dem Pippi House in eine eigene Wohnung: Stella, Glory und Veronica. Wir können mit Stolz berichten, dass alle drei Frauen das betreute Wohnprojekt erfolgreich nutzten und im September 2021 in ein selbstständiges Leben gestartet sind.
Seither begeben sich jedes Jahr mehrere junge Frauen auf den Weg in ein eigenständiges Leben.


Lebensgeschichten von Frauen aus dem Pippi House

Angel

Ein gemeinsamer Weg in die Selbstständigkeit – Angels Geschichte

Manche Geschichten stehen beispielhaft für das, was gute soziale Arbeit leisten kann. Die Geschichte von Angel ist eine davon.

Angel kam über die Zusammenarbeit mit Neema Village zu uns ins Pippi House. Zu diesem Zeitpunkt war sie in einer besonders herausfordernden Lebenssituation: Sie hatte bereits eine einjährige Tochter und war gleichzeitig schwanger mit ihrem zweiten Kind.

Die ambulante Unterstützung durch Neema Village – die in vielen Fällen sehr gut greift – reichte in diesem Moment nicht aus. Angels Bedarf an Stabilität, Schutz und intensiver Begleitung war deutlich höher. 

Genau hier zeigt sich die Stärke unserer Zusammenarbeit.

Wenn ambulante Hilfe nicht ausreicht

Im Bereich der sozialen Arbeit ist es entscheidend, Unterstützungsformen flexibel anpassen zu können. Manche Lebenssituationen lassen sich gut durch aufsuchende, ambulante Begleitung stabilisieren. Andere brauchen zeitweise einen geschützten, stationären Rahmen.

Angel wurde deshalb im Pippi House aufgenommen. 

Hier konnte sie in einem sicheren Umfeld leben – mit klaren Strukturen, kontinuierlicher Begleitung und einem Team, das rund um die Uhr für sie da war.

Diese Form der Unterstützung ermöglichte ihr etwas, das vorher kaum möglich war: 

zur Ruhe kommen, ankommen, Vertrauen aufbauen, Mutter sein.

Während ihres Aufenthalts im Pippi House brachte Angel ihr zweites Kind zur Welt. 

Die Zeit danach war geprägt von intensiver Begleitung – sowohl im Alltag als auch in ihrer Rolle als Mutter.

Sie lernte:

– wie sie ihre beiden Kinder versorgt und ihren Alltag strukturiert 

– wie sie auf Bedürfnisse eingeht und Sicherheit gibt 

– wie sie Verantwortung übernimmt und gleichzeitig Unterstützung annimmt 

– wie sie Vertrauen in sich selbst entwickelt 

Begleitet wurde sie dabei durch unser sozialpädagogisches Team, das sie Schritt für Schritt stärkte, ohne ihr Entscheidungen abzunehmen.

Gleichzeitig blieb der Kontakt zu Neema Village bestehen. 

Die Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen wurde kontinuierlich abgestimmt – ein entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf.

Ein gelungener Übergang

Nach dieser intensiven Phase war spürbar: Angel ist bereit für den nächsten Schritt.

Während unseres Aufenthalts im April 2026 durften wir ihren Auszug begleiten – ein emotionaler Moment für alle Beteiligten. 

Gemeinsam mit ihren beiden Kindern hat sie das Pippi House verlassen und ist in ein eigenständigeres Leben gestartet.

Die Unterstützung endet damit jedoch nicht.

Angel wird nun wieder durch das Team von Neema Village ambulant begleitet. Diese Form der aufsuchenden Hilfe bietet ihr weiterhin Sicherheit im Alltag, ohne die intensive Struktur des Pippi House zu benötigen.

Best Practice: Wenn Hilfesysteme ineinandergreifen

Die Geschichte von Angel zeigt eindrücklich, wie wichtig gut abgestimmte Hilfesysteme sind.

– Ambulante Hilfe (Neema Village) erkennt frühzeitig Unterstützungsbedarfe 

– Stationäre Hilfe (Pippi House) bietet Schutz und intensive Stabilisierung 

– Rückkehr in ambulante Begleitung ermöglicht nachhaltige Selbstständigkeit 

Dieses Zusammenspiel ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer vertrauensvollen und fachlich engen Kooperation.

Es ermöglicht individuelle Lösungen – angepasst an die jeweilige Lebenssituation der Frauen und Kinder.

Was bleibt

Angel hat im Pippi House viel gelernt. 

Vor allem aber hat sie etwas entwickelt, das nicht selbstverständlich ist: Vertrauen in sich selbst und in ihre Fähigkeiten als Mutter.

Ihr Weg ist noch nicht zu Ende – aber er hat eine stabile Richtung bekommen.


Agnes

Agnes mit ihren beiden ältesten Kindern Neema und Peace

Agnes ist 2011 als schwangere junge Frau, als eine der ersten Bewohnerinnen, in das Pippi House eingezogen. Das Pippi House ermöglichte ihr, ihre Tochter Neema in einem stabilen Umfeld zu gebären und großzuziehen. Das Pippi House gab ihr die Chance, sich mit ihrer Vergangenheit, die von extremer Armut geprägt ist, auseinanderzusetzen, und sich gleichzeitig bewusst zu werden, eine eigenständige Zukunft für sich und ihre Tochter gestalten zu können und begann, wieder eine Schule zu besuchen.

Auch, als sie zwei Jahre später erneut schwanger wurde, konnte sie ihre eigene Bildung weiterführen, während ihre Kinder im Pippi House versorgt wurden. Rasch wurde Agnes für neue Bewohnerinnen zu einer festen Ansprechpartnerin. Zu einem Zeitpunkt, als das Pippi House noch nicht als sichere Institution für schutzbedürftige junge Frauen bekannt war, ging Agnes regelmäßig mit Aristides Nshange durch die Straßen von Arusha und sprach mit obdachlosen jungen Frauen und über die Möglichkeit, im Pippi House einen Zufluchtsort finden zu können.

Die ProManity e.V. Vorsitzende Kim Langemak lernte Agnes Masaki während ihrer Freiwilligenarbeit 2015 kennen. Kim wurde rasch eine Bezugsperson für Agnes und ihre Kinder. Während ihres Aufenthaltes lernte Kim mit Agnes insbesondere Englisch, denn die Sprache bereitete ihr zu dem Zeitpunkt noch einige Probleme, ist jedoch für weiterführende Schulen in Tansania eine Voraussetzung und somit unabdingbar für eine selbstbestimmte Zukunft. Nach dem Erreichen des Schulabschlusses begann Agnes ein Studium auf einem Business College. Bald eröffnete sie ein eigenes Geschäft mit dem Vertrieb von Stoffen. 2016 zog Agnes mit ihrem Sohn Peace aus dem Pippi House in ihre erste eigene Wohnung. Da ihre Tochter Neema zu dem Zeitpunkt bereits zur Schule ging, und Agnes sie nicht aus dem gewohnten Umfeld entziehen wollte, blieb diese vorübergehend im Pippi House wohnen. Agnes besuchte sie dort täglich.

2019 heiratete Agnes ihren Mann Hashim und zog mit ihren beiden Kindern Neema und Peace sowie der Tochter ihres Mannes in ein Haus in die Nähe des Pippi House. Gemeinsam bekamen sie Ende 2019 ihren Sohn Ramin. Sie betreiben bis heute ein gut laufendes Geschäft und sind in der Lage, für alle Kinder zu sorgen. Die Kinder gehen auf eine anerkannte Privatschule.

Als wir die internationale NGO in Tansania registrieren ließen, wurde Agnes Masaki zu einem offiziellen Mitglied der NGO ProManity. Sie ist sehr aktiv an der Grundstückssuche beteiligt gewesen. Als ehemalige Bewohnerin weiß sie, welche Aspekte bei dem Hausbau und für die Lebensrealität der Bewohnerinnen besonders wichtig sind.

Seit November 2022 unterstützt Agnes die Frauen und Kinder aus dem Pippi House und uns in ganzer besonderer Weise: Agnes ist von nun an offiziell Teil unseres Teams als Supervisor. Sie unterstützt uns in unserer Zusammenarbeit mit dem Frauenhaus vor Ort und übernimmt zahlreiche koordinierende Aufgaben.

Wir freuen uns sehr, Agnes seit so langer Zeit auf ihrem Werdegang begleiten zu dürfen und sind stolz darauf, dass sie die Frauen im Pippi House durch ihre Erfahrungen unterstützt und so dem Pippi House etwas von dem zurückgibt, was sie in schweren Zeiten von dem Pippi House bekommen hat.


Fausta

Fausta wurde 1999 in Arusha geboren. Auf dem Weg zur Grundschule wurde sie 2011 vergewaltigt und schwanger. Ihre Familie verstieß sie aufgrund ihrer unehelichen Schwangerschaft. Fausta fand Zuflucht im Pippi House. 2012 brachte sie mit gerade einmal 12 Jahren ihre Tochter Anna zur Welt.

Gemeinsam lebten sie elf Jahre lang Pippi House. Als eine der am längsten im Pippi House lebenden Frau, war Fausta eine große Bereicherung. Besonders engagiert kümmerte sie sich im Frauenhaus um die Versorgung und Erziehung der Kinder und bot den neuen Müttern eine große Unterstützung als beratende und erfahrene junge Mutter.

Faustas großer Traum war es Lehrerin zu werden.. Hierfür besuchte sie eine Secondary School in Arusha und lernte jeden Tag sehr fleißig, um einen guten Schulabschluss zu bekommen. Auch ihre Tochter Anna kann zur Schule gehen.

Fausta und Anna sind ein unschlagbares Team. Als Fausta Dezember 2021 ihren Schulabschluss in der Tasche hatte, war sie sich sicher, sie möchte  gemeinsam mit ihrer Tochter auf eigenen Beinen stehen und ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten. So qualifizierte sie sich für unser Scholarship Projekt und konnte im Februar 2022 gemeinsam mit ihrer Tochter Anna aus dem Pippi House in eine unserer Scholarship-Projektwohnungen ziehen. 
Als Fausta 2025 ihr Studium als Vorschullehrerin beendet hatte, wandte sie sich an uns. Sie möchte dem Pippi House etwas zurückgeben. Und so kam es, dass auch Fausta seit Januar 2026 für uns als Matron und Nachhilfelehrerin arbeitet.

Fausta und Anna vor ihrer ersten eigenen Wohnung 2022
Fausta mit ihrer Tochter Anna 2014
Fausta und Anna 2019


Glory

Glorys Sohn Patrick 2019
Glory vor ihrer ersten eigenen Wohnung 2021

 

Glory wurde 1997 geboren. Sie ist bei ihren Großeltern aufgewachsen, da sie ihren Vater nicht kannte und ihre Mutter starb als Glory noch sehr jung war. Da sie ungewollt schwanger wurde, hatte ihre Familie sie verstoßen. Glory suchte als vierzehnjährige Schwangere Zuflucht im Pippi House. Im April 2014 hat sie ihren Sohn Patrick geboren.

Glory konnte dank des Pippi House zur Schule gehen und ihren Schulabschluss auf einer Secondary School in Arusha machen. Danach studierte sie Vorschullehramt. Ihr Sohn Patrick besucht eine Grundschule.

Im Februar 2021 konnte sie an unserem Scholarship-Projekt teilnehmen. Eine Art Stipendienprogramm, womit wir Mädchen aus dem Pippi House, die bereits ausgelernt und einen Arbeitsplatz gefunden haben, bei ihrem Start in ein unabhängiges Leben unterstützen möchten. Die jungen Frauen bekommen so eine Möglichkeit, das Pippi House zu verlassen und in eine eigene Unterkunft zu ziehen. Glory zog in eine von uns angemietete Wohnung im Stadtteil Lemara, Arusha. Sie arbeitet aktuell als Kellnerin und Köchin in einem Restaurant. Im September 2021 konnte Glory nach sechs Monaten erfolgreicher Teilnahme an unserem Scholashipproject in ein unabhängiges Leben entlassen werden.

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