Der Umzug in ein neues Zuhause rückt immer näher...

September 2022. In knapp zwei Monaten soll das Haus fertiggestellt sein und alle Frauen und Kinder in unser neues Haus ziehen. Es ist unglaublich wie schnell hier gearbeitet wird. Beinahe täglich gibt es große Veränderungen auf der Baustelle, die uns staunen lassen. Anfang September wurde das Fundament fertiggestellt, bereits am 11.09. waren die Wände hochgezogen. Im nächsten Schritt wird bereits das Dach errichtet. Wir sind gespannt wie es weitergeht und ob wir das Haus wie geplant Ende Oktober 2022 fertigstellen können! Denn noch immer ist das Großprojekt Hausbau nicht vollständig finanziert und wir sind weiterhin auf eure Mithilfe angewiesen.
Ende Oktober werden wir als ProManity Team nach Arusha reisen und uns vor Ort ein Bild unseres Großprojekts machen. Wir hoffen, dass wir das Haus bis dahin fertiggestellt haben, um tatkräftig beim Umzug helfen zu können. Natürlich freuen wir uns auch alle Frauen, Kinder und Aristides wiederzusehen. Aufgrund der weltweiten pandemischen Lage waren wir leider im Februar 2020 das letzte Mal persönlich im Pippi House. Daher wird es höchste Zeit!

Die beigefügten Bilder wurden am 11.09.2022 aufgenommen.


Ein kleines Update zum Großprojekt „Hausbau“

Unsere Baustelle hat sich in den letzten Wochen ziemlich verändert. Der Hausbau schreitet voran. Nachdem die Mauer um unser Gelände bereits fertiggestellt wurde, konnte es nun endlich weitergehen. Nach vielen bürokratischen Hürden und der Frage der Finanzierung dieses Großprojektes, wurde Anfang August 2022 der Grund ausgetauscht. Der Boden war nicht geeignet, um ein so großes Gebäude langfristig und sicher zu erbauen. So wurde dieser Anfang August mit einer geeigneten Erde ausgetauscht. Hierfür fuhren große LKWs zu unserem ländlich gelegenen Grundstück in Lemara, Arusha, um die ausgehobene Erde abzuholen und neue Erde auf das Grundstück zu bringen. Was unter Anbetracht der Tatsache, dass die Straßen rund um das Grundstück weder geteert noch geebnet sind, ein großes Abenteuer darstellte. Am 09 August war der Baugrund vollständig ausgetauscht und die Arbeiten am Fundament konnten endlich beginnen. Die Blockarbeiten für das Fundament sind bereits abgeschlossen. Im nächsten Schritt werden nun die Stahlträger errichtet, um die tragenden Säulen zu stabilisieren. Nun ist der Baufortschritt täglich zu beobachten.

Wir planen die Fertigstellung des Hauses im Herbst 2022, sodass die Frauen und Kinder noch dieses Jahr ihr neues Zuhause beziehen können.

Unser Großprojekt nimmt Dank eurer tatkräftigen Hilfe bereits sichtbare Formen an. Jedoch stellt die Fertigstellung des Hauses uns noch immer vor finanzielle Hürden. Wir sind mehr denn je auf eure Unterstützung angewiesen! Bitte helft uns weiterhin so tatkräftig, das Ziel eines sicheren und Eigenheims für das Pippi House umzusetzen.

Einfahrt auf das Grundstück. Stand Juni 2022
Arbeiten am Fundament. Stand August 2022.
Die Erde musste ausgetauscht werden, erst dann konnte mit den Arbeiten am Fundament begonnen werden. Stand August 2022.


Gedanken zu Antirassismus und Kritischem Weißsein

Wir alle, die wir diesen Verein gegründet haben und nun führen, haben für ein paar Monate in Arusha in Tansania gelebt und uns dort in der ungewohnten Situation wiedergefunden, zur Weißen* Minderheit zu zählen. Uns wurde dort unser Privileg des Weißseins, unserer Hautfarbe, (zum ersten Mal) bewusst, die heute leider nicht nur ein biologisches Merkmal darstellt. Zu oft ertappten wir uns bei Auffassungen und Gedanken voller Vorurteile, wie auch bei der Aussage, „dass das in Tansania halt anders laufe“.

Kurzum, auch wir sind rassistisch. Nicht, weil wir es sein wollen oder es mit Absicht tun, aber als in Deutschland aufgewachsene Weißen Menschen haben wir rassistische Denkmuster verinnerlicht und daher ist auch die Arbeit des Vereins nicht frei davon. Das wollen und dürfen wir jedoch nicht verdrängen, sondern müssen diese Tatsache offen angehen und uns immer wieder kritisch hinterfragen. Natürlich ist die Zeit des Imperialismus vorbei und Tansania ist seit 1961 formal unabhängig. Gerade im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit, in dem wir uns als Verein bewegen, ist das Erbe des Kolonialismus allerdings nicht zu übersehen.  Denn: Inwiefern haben sich die Strukturen von damals tatsächlich aufgelöst? Kann Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe stattfinden? Wie können wir dazu beitragen? Dieser Text ist ein Versuch, die Gedanken zu reflektieren, die uns mit Blick auf unsere eigene Rolle im Spannungsfeld der Entwicklungszusammenarbeit und der kolonialen Verantwortung bzw. Abhängigkeit bei unserer Arbeit als Verein immer wieder begleiten.

Laut unserer Satzung widmen wir uns dem Zweck der „Entwicklungszusammenarbeit“. Dieser Begriff spiegelt schon eine klare Hierarchie wider, die auf einem alten, überholten Narrativ basiert: „Wir aus dem globalen Norden helfen denen aus dem globalen Süden sich zu entwickeln.“ Um die Problematik dieses Satzes zu beleuchten, muss hier der Kolonialismus und die heute vorherrschende Ideologie in Verbindung gesetzt werden.

Die Phase des Kolonialismus lässt sich grob auf den Zeitraum von Ende des 15. bis Mitte des 20. Jahrhunderts eingrenzen. Der Glaube der Kolonialherren war damals, dass sie auf ihren Entdeckungsfahrten unbewohntes Land, sogenannte „Terra nullius“ vorfanden. Die bereits dort lebenden Menschen wurden durch verschiedene Theorien abgewertet, als „nicht menschlich“, „wild“ oder „unzivilisiert“ beschrieben und schließlich wurde mit einer „Rassentheorie“ versucht, die Eroberer als die „besseren Menschen“ darzustellen und damit ihre Vormachtstellung über die Menschen in den Kolonien zu legitimieren. Auch das Deutsche Reich beteiligte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts am Imperialismus und so war es vor dem ersten Weltkrieg die drittgrößte Kolonialmacht. Deutsch-Ostafrika, zu dem auch das heutige Tansania zählte, gehörte zu seinem Territorium. Durch die Eroberung, Kontrolle und ökonomische Ausbeutung wurden koloniale Machtverhältnisse geschaffen, die bis heute fortbestehen. Dass zuvor existierende Strukturen im Zuge dessen zerstört wurden, vergessen wir bis heute viel zu oft. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Kolonialismus unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe weitergeführt. Was vorher die „Zivilisierung der Unzivilisierten“ war, wurde zur „Entwicklung der Unterentwickelten“. Was blieb, war das Überlegenheitsgefühl und die Mission, etwas (nach den westlichen Vorstellungen) zu verändern. Lediglich die Fähigkeit zur Selbstregierung wurde den nicht-europäischen Völkern nun zugestanden.

Heute sprechen wir zwar nicht mehr von Entwicklungshilfe, sondern Entwicklungszusammenarbeit, und doch geschieht diese immer noch viel zu häufig aus einer autoritären Position, in der sich eine Gruppe durch ihr vermeintlich überlegenes Wissen legitimiert, Maßnahmen zur vermeintlichen Verbesserung der Gesellschaft zu konzipieren, der sie selbst nicht angehören.

Was bedeutet das nun für unsere Arbeit als deutscher, als Weißer Verein?

Wir versuchen anzuerkennen, dass wir von Rassismus und den kolonialen Strukturen profitiert haben und auch heute immer noch profitieren, auf Kosten von anderen Menschen. Wir versuchen unsere (Weiße) Perspektive immer wieder zu hinterfragen und uns zu erinnern, dass sich Tansanier*innen in den meisten Fällen besser mit den Gegebenheiten vor Ort auskennen. Wir versuchen Machtverhältnisse aufzudecken und Hierarchien abzubauen. Wir wollen tansanische Wissenssysteme als solche verstehen und sie nicht aus unserer Perspektive als traditionell ab(zu)werten. Wir reflektieren gemeinsam, um nicht von einzelnen Erfahrungen auf ganz Tansania oder gar Afrika zu schließen. Wir versuchen uns unseres Überlegenheitsgefühls bewusst zu werden und nicht das Eigene als Maßstab für das Andere/Fremde zu verwenden.

Trotz alledem sind wir uns auch bewusst, dass wir alleine durch unsere Unterstützung des Pippi Houses Abhängigkeit und dadurch ebenfalls Machtverhältnisse schaffen. Das ist unvermeidbar, wenn einer annimmt und die andere gibt.

Nach diesen Zeilen fragt Ihr Euch vielleicht, warum wir uns überhaupt fürs Pippi House engagieren, was das eigentlich für einen Sinn hat. Wir finden, Aufgeben ist eben auch keine Lösung. Das Erbe des Kolonialismus und rassistische Strukturen in der Welt werden uns alle nicht so schnell loslassen, aber diese Verantwortung wahrzunehmen und einen kleinen Beitrag zur Umverteilung von Reichtum beizutragen, finden wir auf jeden Fall besser als gar nichts zu tun. Außerdem versuchen wir uns als Geldgeberinnen im Hintergrund zu halten und nicht jede Entscheidung unserer Partner*innen vor Ort in Frage zu stellen, nur weil wir Dinge in Deutschland vielleicht anders handhaben würden. So können wir im besten Fall die großartige und empowernde Arbeit, die im Pippi House geleistet wird, von hier aus finanzieren, ohne unsere europäischen Ansätze aufzudrängen.

Wir würden uns über Feedback zu diesem Text freuen! Schreibt uns gerne an info@promanity.de 

* Sowohl „Schwarz“ als auch „Weiß“ sind in diesem Kontext großgeschrieben, „um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle ‘Eigenschaft‘, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen ‚ethnischen Gruppe‘ zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden.” [1]

Quellen

[1] Jamie Schearer, Hadija Haruna, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Über Schwarze Menschen in Deutschland berichten, Blogbeitrag, 2013, http://isdonline.de/uber-schwarze-menschen-indeutschland-berichten

 Arndt, Susan (2011): Sprache, Kolonialismus und rassistische Wissensformationen. In: Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagwerk. Münster: Unrast, S. 121–125.


Großprojekt "Hausbau"

Wir haben ganz besonders tolle Neuigkeiten für euch! Seit bereits vielen Wochen sind wir aktiv mit unserem Großprojekt „Hausbau“ beschäftigt und freuen uns, euch jetzt ein neues Update durchgeben zu können.

Mitte Mai konnten wir endlich mit dem tatsächlichen Mauerbau beginnen – ein weiterer Grundstein auf dem Weg zu einem neuen Pippi House! Die Umzäunung des 1.200qm großen Grundstücks mit einer rund zwei Meter hohen Mauer ist zum einen ein sehr bedeutsamer Bauschritt, um die Baumaterialien vor Diebstahl zu schützen. Zudem ist die Umzäunung des Grundstückes eine wichtige Voraussetzung für die  Gewährleistung der Sicherheit der schutzsuchenden Frauen und ihren Kindern.

Mit Hilfe eines Architekten vor Ort, welcher auch für andere größere internationale NGO’s tätig ist und war, konnten wir sowohl den Plan für den Mauerbau als auch für den Hausbau selbst finalisieren.

 

Während des Mauerbaus wurde bereits der tatsächliche Hausbau geplant. Unser Architekt sitzt bereits an der Fertigstellung der Bauzeichnungen und der finalen Kostenkalkulation des Hauses. Die Preise des Baus sind aufgrund globaler Umstände gestiegen, weswegen die Kalkulation angepasst werden musste.

Da die Baupläne alle von der Regierung genehmigt und abgesegnet werden müssen, nimmt der ganze Prozess natürlich einiges an Zeit in Anspruch. Aber wir freuen uns, dass endlich mit den Bauarbeiten begonnen wurde und wir einen weiteren großen Schritt in Richtung „Hausbau“ gehen konnten.

Ein neues Zuhause für das
Pippi House

Über 100 Frauen und Kinder, 6 Schlafräume, vier Toiletten, eine Kochstelle, ein Gemeinschafts“raum“ bestehend aus drei Plastiktischen, ein paar Plastikstühlen, überdeckt von einem Pavillon. Die Frauen müssen sich die Stockbetten in den engen Räumen teilen, für Kleiderschränke gibt es keinen Platz, das Hab und Gut lagert in Taschen und Koffern. Ein Leben auf engstem Raum. Das Ziel des Pippi Houses den Frauen und Kindern ein sicheres Zuhause zu bieten, ihnen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, wird dadurch zu einer großen Herausforderung. Es ist bereits ein lang ersehnter Traum von Rev. Aristides Nshange diese Wohnsituation verändern zu können.

Seit Anfang 2021 begannen wir uns dem Mammuts-Projekt „Ein neues Zuhause“ anzunehmen.  Zuerst waren es wirre Gedanken und ferne Wünsche nach einer anderen Wohnsituation für die Frauen und Kinder, dann wurden unsere Pläne immer greifbarer, immer umsetzbarer. September 2021 konnten wir uns offiziell als internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) in Tansania registrieren, der erste Schritt um als Organisation Eigentum in Tansania erwerben und besitzen zu dürfen. 

Wir begannen uns ein Team für unser Kaufprojekt in Arusha zusammenzustellen. Dies bestand aus unserer tansanischen Anwältin Prisca Didass, welche sich vor Ort in Arusha unseren rechtlichen Herausforderungen stellte und uns zugleich als Maklerin mit dem tansanischen Eigentumsmarkt vertraut machte und einem sehr engagierten Unterstützer, welcher für uns zahlreiche Grundstücke besichtigte und uns mit Rat und Tat zur Verfügung stand und noch immer steht.

Besonders stolz sind wir darauf, dass die ehemalige Pippi House Bewohnerin Agnes Masaki ein aktives Mitglied unserer NGO ist. Als unser Teammitglied vor Ort unterstützt Agnes organisatorische Prozesse und die Kommunikation mit allen Beteiligten.

Nach vielen Telefonaten, unzähligen Entscheidungen, zahlreichen Hürden und der Besichtigung verschiedenster Grundstücke in Arusha, haben wir nun endlich ein passendes Grundstück gefunden. Es liegt in Arusha, im Stadtteil Mkonoo. Das ebenerdige Grundstück ist circa 1200qm groß und nur wenige Gehminuten von einer großen Straße mit Busverbindung und einer öffentlichen Schule entfernt. Die weitläufige Lage des Grundstückes bietet die Möglichkeit in ferner Zukunft weiteres anliegendes Land zu kaufen.

Nun beginnt ein weiterer spannender Abschnitt des Projektes „Ein neues Zuhause“: Der Bau des Hauses.  Bereits während der Grundstückssuche haben wir uns mit dem Prozess des Bauens beschäftigt, eine Baufirma gefunden und erste Baupläne erstellen lassen. So kann die wichtige Bauphase fast nahtlos beginnen, denn wir sind unserem Ziel schon sehr viel nähergekommen. Es bleibt nun spannend, wann alle Frauen und Kinder zusammen mit Rev. Aristides Nshange in ihr neues Zuhause ziehen können.

Um direkt zum Einzug bereits ein vollausgestattetes Haus fertig stellen zu können, akquirieren wir weiterhin Spenden zur Finanzierung des Projektes.

Du möchtest die Bewohnerinnen des Pippi House unterstützen und dich am Hausbau beteiligen? 
Das kannst du ganz einfach über eine Spende via PayPal. Deine Spende kommt zu 100 % dem Haus-Projekt zugute.

Januar 2022

Shalompreis 2021

30.000 Euro an Preisträgerprojekte in Tansania überwiesen

Im September 2021 wurde dem Pippi House zusammen mit einem weiteren Projekt in Tansania der Shalom Menschenrechtspreis für Gerechtigkeit und Frieden vom AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt verliehen. 
Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Er soll zur Anerkennung der Leistung der Ausgezeichneten beitragen, gefährdete Verteidigerinnen und Verteidiger der Menschenrechte schützen und andere ermutigen, sich zu engagieren. Die Arbeit der Mitglieder des AK Shalom ist rein ehrenamtlich. Die Spendensumme kann so in voller Höhe an die Projekte weitergeleitet werden.

Das Preisgeld betrug 30.000 Euro, welches sich aus Spendengeldern zusammensetzt. So konnte jedem Preisträgerprojekt eine Gesamtsumme von 15.000 Euro überwiesen werden.

Die Bezeichnung Pippi bedeutet auf Suaheli ‚Süßigkeit‘. Damit wollten die Mädchen und Frauen, die dort Zuflucht fanden, zur Schule gehen oder eine Ausbildung absolvieren können, ausdrücken, wie wertvoll und ‚süß‘ dieses Haus für sie ist – ganz im Gegensatz zur oftmals erfahrenen Bitterkeit in ihrem Leben. Es leben derzeit rund hundert Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 25 Jahren in einem sehr beengten Haus. Sie waren Opfer von Kinderarbeit, Kinderhandel und Vergewaltigung oder Prostitution. Einige von ihnen wurden schwanger. Im Haus leben so auch Kleinkinder und Säuglinge. Aristides Nshange – der Gründer und Leiter des Pippi House – und wir von ProManity, die zu verschiedenen Zeiten dort ein Praktikum machten, sind beeindruckt von dieser Spendenbereitschaft.
Mit dem Preisgeld kann der Bau eines eigenen Hauses in Arusha mitfinanziert werden. Der Mietvertrag für das ohnehin zu klein gewordene Haus läuft dieses Jahr noch aus. 

Neben institutionellen Spendern wie dem Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt, der Oswald-Stiftung oder des Rotary-Clubs Eichstätt, tragen Privatpersonen mit ihren Spenden zum Zustandekommen der Preissumme bei.

Dezember 2021

Jahresbericht 2021

Was wir letztes Jahr alles erreicht haben und was wir 2022 noch vorhaben

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu. Für unseren Verein brachte es aufregende und herausfordernde Aufgaben und Erfahrungen mit sich. Dank Eurer Hilfe konnten wir das Pippi House auch dieses Jahr wieder tatkräftig unterstützen und möchten Euch nun einen kleinen Rückblick auf das vergangene Jahr geben.

Was haben wir 2021 erreicht?

Nachdem der Besitzer des Grundstücks und Hauses, in dem sich das Pippi House seit seiner Gründung 2011 befindet, Anfang des Jahres verkündete seine Immobilie ab 2022 anderweitig verwenden zu wollen, fassten wir die Option eines Hauskaufs wieder ernsthaft ins Auge. Die Idee hatte Aristides schon seit einigen Jahren immer wieder aufgebracht, sie war aber zuletzt 2019 an der Finanzierung gescheitert. Dieses Problem löste sich überraschenderweise ungefähr gleichzeitig mit der Kündigung – dazu später mehr. So begannen wir uns mit den Vorgaben und Rahmenbedingungen, die der Kauf eines Eigenheims in Tansania mit sich bringt, zu beschäftigen. Wir fanden eine tansanische Anwältin, die uns seitdem mit Rat und Tat zur Seite steht. Um unser Vorhaben umsetzen zu können, gründeten wir in Tansania die NGO ProManity International, welche dann später die Eigentümerin des Grundstücks und der Immobilie sein soll. Neben den deutschen Mitgliedern von ProManity e.V. sind außerdem zwei tansanische Frauen, darunter die ehemalige Bewohnerin des Pippi Houses, Agnes Masaki, Gründungsmitglieder unserer tansanischen NGO.

Im Januar nahm der Arbeitskreis Shalom – für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit uns Kontakt auf. Dieser verleiht jährlich den Shalom-Menschenrechtspreis für Gerechtigkeit und Frieden, einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. In diesem Jahr wurde dem Leiter des Pippi House, Rev. Aristides Nshange, die Ehre zuteil Preisträger des Shalompreises zu sein. Er teilt sich die Auszeichnung mit Sister Dr. Felista Tangi, die sich der Bekämpfung von Schulgewalt in Tansania widmet und eine inklusive Schule gegründet hat. An dieser Stelle nochmals unsere herzlichen Glückwünsche an die beiden, besonders natürlich “unserem” Aristides. Wir halten den Preis für eine wohlverdiente Anerkennung für seine unermüdlichen Bemühungen, jungen Frauen in Tansania eine gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das Preisgeld fließt zu 100% in den Kauf des neuen Hauses.

An der Preisverleihung, zu der Aristides aufgrund der pandemischen Situation nicht anreisen konnte, nahmen wir als ProManity-Team stellvertretend teil. Wir lernten an dem Wochenende nicht nur den AK Shalom kennen, der uns sehr gastfreundlich empfing, sondern kamen ebenfalls in Kontakt mit der Oswald Stiftung, die schon seit vielen Jahren den Shalompreis unterstützt und uns zusätzlich mit einer großzügigen Spende bedachte. Ihnen sei ebenfalls an dieser Stelle nochmal ausdrücklich gedankt!

Nicht zuletzt bot das das Wochenende in Eichstätt auch Zeit für unsere erste Vereinssitzung in Präsenz.

In enger Zusammenarbeit mit unserer tansanischen Anwältin sichten wir seit Oktober den Häuser- und Grundstücksmarkt in Arusha. So wie das in Deutschland auch ist, müssen (Wohn-) Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Tansania einige Auflagen erfüllen, an denen wir uns bei der Suche orientieren. Dank einer großzügigen Spende der Jebsen & Jessen Hamburg Foundation sind wir der Finanzierung dieses Hausprojekts ein großes Stück nähergekommen. Ein herzlicher Dank geht also nach Hamburg!

Um die älteren Bewohnerinnen nachhaltig in ihrem Weg in ein eigenständiges Leben unterstützen zu können, hat ProManity e.V. im letzten Jahr ein neues Projekt gestartet. Das Scholarship Program ist der Versuch, den Übergang vom Wohnen im Pippi House zu einem selbstständigen Leben zu erleichtern. Hierbei finanzieren wir den Frauen, welche über eine abgeschlossene Schul- und/oder Berufsausbildung sowie ein festes Einkommen verfügen, die Grundausstattung für eine eigene Wohnung sowie die Miete für die ersten sechs Monate, damit sie sich danach eigenständig versorgen können. Das Projekt wird von der Pippi House-eigenen Sozialarbeiterin gemanagt und begleitet. Im Februar und im Oktober 2021 konnten wir je drei Frauen einen Platz in diesem Projekt ermöglichen. Die ersten drei stehen nun seit August auf eigenen Beinen, was uns sehr freut! Im Oktober haben die nächsten drei Frauen einen Platz in unserem Projekt bekommen und befinden sich gerade in ihrem Verselbstständigungsprozess.

Wie auch die Jahre zuvor, konnten wir dem Pippi House wieder jeden Monat 450 € für Lebensmittel, Wasser und Feuerholz zur Verfügung stellen. Zum christlichen Osterfest und zum islamischen Fest des Fastenbrechens Id al-Fitr sowie zu Weihnachten überwiesen wir jeweils 50 € mehr (das klingt zwar nach wenig, reicht aber schon für ein festliches Essen).

Bereits im Oktober 2020 war es uns möglich, erneut die Schulgebühren aller Mädchen in der weiterführenden Schule für das Schuljahr 2021 zu bezahlen. Es handelte sich dabei um einen Betrag von 3.750 €. Ebenfalls finanzierten wird den Kauf von neuen Schuluniformen, Lernmaterialien und kamen für die Prüfungsgebühren der Abschlussklassen auf.

Außerdem konnten wir dank großzügiger Spenden die gesamte Miete des Jahres 2021 für das Pippi House in Höhe von monatlich rund 240 € zahlen – ein Posten, der in Zukunft wegfallen wird.

Da die medizinischen und hygienischen Bedingungen in Tansania nicht mit denen in Deutschland vergleichbar sind und es bei einer steigenden Bewohnerinnenzahl im Pippi House auch vermehrt zu Krankheiten kam, haben wir uns vor drei Jahren dazu entschlossen, mit Hilfe einer Freiwilligen im Pippi House unseren Medical Fund einzurichten. Dieser dient mittlerweile als eine Art Krankenversicherung und deckt die Kosten für medizinische Behandlungen sowie notwendige Präventionsmaßnahmen. Insbesondere in Zeiten einer globalen Pandemie sind wir dankbar auf diesen zurückgreifen zu können. Je nach gesundheitlichem Bedarf bewegten sich die monatlichen Kosten zwischen 35 € und 70 € monatlich. Im Januar und Juli 2021 bezahlten wir zusätzlich den von der tansanischen Regierung von jeder NGO in der Kinder- und Jugendhilfe geforderten halbjährlichen Gesundheitscheck für alle Bewohnerinnen des Pippi House sowie für Aristides Nshange und der Sozialarbeiterin Aisha Daudi.

Was sind unsere Ziele für 2022?

Unser wohl größtes und herausforderndstes Ziel für das Jahr 2022 ist es, den jungen Frauen und ihren Kindern durch den Kauf eines Eigenheimes auch die nächsten Jahre weiterhin ein sicheres Zuhause zu bieten. Wir hoffen sehr, dass der Kauf Anfang des Jahres reibungslos über die Bühne geht und die Mädchen und Frauen möglichst bald einziehen können. Dass das ein Mammutprojekt ist, ist uns in den letzten Wochen allerdings auch bewusst geworden – drückt uns also die Daumen, dass alles zeitnah klappt!

Zu einer guten Zusammenarbeit mit unserer Sozialarbeiterin Aisha Daudi zählt für uns auch das Zahlen eines fairen Gehaltes. Bisher bewegten wir uns, aufgrund unserer zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, eher im unteren Durchschnittsgehalt einer Sozialarbeiterin in Tansania. Ebenfalls Dank der Jebsen & Jessen Hamburg Foundation werden wir in der Lage sein, das Gehalt von Aisha Daudi nun zu erhöhen.

Mit derselben Spende werden wir zusätzlich stundenweise eine Lehrerin für die Schülerinnen des Pippi House anstellen. In der Regel konnten die jungen Frauen aus verschiedenen Gründen vor ihrer Aufnahme ins Pippi House nicht zur Schule gehen, die wenigsten konnten vor dem Pippi House lesen oder schreiben. Daher haben die Frauen oft großen Nachholbedarf im Vergleich zu ihren KlassenkameradInnen. Deswegen haben wir vor, im kommenden Jahr eine Pippi House-eigene Nachhilfelehrerin anzustellen.

Wir sind davon überzeugt, dass Bildung der Schlüssel ist, der unseren Mädchen und jungen Frauen im Pippi House den Weg aus der Armut in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Daher freuen wir uns, dass wir bereits im Oktober sämtliche Schulgebühren für alle Oberstufenschülerinnen für 2022 in Höhe von 4.850€ zahlen konnten. Großzügig unterstützt wurden wir dabei von Menschen für Kinder e.V. – einen herzlichen Dank an dieser Stelle!

Um den Frauen und ihren Kindern weiterhin ein sicheres Zuhause zu ermöglichen und all unsere Ziele für das kommende Jahr umsetzen zu können, sind wir auf Eure Unterstützung angewiesen. Besonders für das Hausprojekt brauchen wir Eure Hilfe. Neben den Kosten für das Grundstück und das Gebäude selbst, werden eine Vielzahl von Umbaumaßnahmen durchgeführt werden, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen; aber auch, um den Bewohnerinnen eine Wohnumgebung zu ermöglichen, in welcher sie nicht nur sicher und geschützt sind, sondern sich auch wohlfühlen. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Gewährleistung von Mindestvoraussetzungen zur Hygiene. Vielen Dank schon einmal an alle, die uns in den nächsten Wochen und Monaten für das Pippi House spenden werden!!

Oktober 2021

Johanna als Laudatorin gewürdigt

Badische Zeitung berichtet über Verleihung des Shalom Menschenrechtspreis

Johanna (rechts) hielt die Laudatio auf den diesjährigen Shalom-Preisträger Aristides Nshange.

Unsere liebe Johanna wurde von der Badischen Zeitung für ihre Laudatio beim Shalom Menschenrechtspreis gewürdigt. Der Preis wurde im September 2021 an zwei Projekte in Tansania verliehen. Sister Felista Tangi erhielt den Shalompreis für ihr Projekt einer inklusiven Schule in Nyashishi. Aristides Nshange, erhielt den Preis für das Projekt Pippi House in Arusha

Johanna schloss sich nach ihrer Rückkehr aus Tansania dem ProManity e.V.  an und unterstützt seither als Kommunikationsbeauftragte in ihrer Freizeit den Leiter Aristides Nshange und die Sozialarbeiterin Aisha des tansanischen Frauenhauses „Pippi House“ bei der Arbeitsorganisation und bei Bildungsmaßnahmen. Bei ihrer Laudatio stellte sie die aufopferungsvolle Arbeit des per Internet zugeschalteten Shalom-Preisträgers Aristides Nshange heraus. 
„Der Shalom-Menschenrechtspreis für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt ist eine große Anerkennung für den unersetzlichen Einsatz des Pastors für diese jungen Mädchen und Frauen“, erklärte Johanna. Aus eigener Erfahrung während ihres Aufenthalts in Tansania weiß sie, welchem Leid die Mädchen und jungen Frauen in der Zeit vor ihrer Zuflucht in die Einrichtung „Pippi House“ ausgesetzt waren. Deshalb sei es für sie selbstverständlich gewesen, ProManity, von dem die Einrichtung „Pippi House“ mit Geldspenden unterstützt wird, beizutreten.

September 2021

Pippi House erhält
Shalom Menschenrechtspreis für Gerechtigkeit und Frieden

Pippi House wird dieses Jahr die Ehre zuteil, Preisträger dieses Menschenrechtspreises 2021 zu sein.
Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung und sehen diesen Preis als eine große Anerkennung für die unersetzliche Bemühung, jungen Frauen in Tansania eine gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu
ermöglichen.

Der Shalom-Preis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland, der jährlich vom Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an soziale Projekte vergeben wird. Jedes Jahr rückt dabei thematisch ein Land oder eine Region in den Mittelpunkt des Interesses. Zum 40. Jubiläum rückte das Land Tansania in den Fokus und es wurden zwei Projekte aus Tansania als diesjährige Preisträger ausgewählt.
Mitpreisträger ist ein Projekt zur Bekämpfung von Schulgewalt in Tansania in den Regionen Rulenge-Ngara und Mwanza.
Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde 1981 gegründet und ist ein überparteilicher und -konfessioneller Arbeitskreis. Er verfolgt das Ziel einen dauerhaften Beitrag zur Wahrung der Menschenrechte und des weltweiten Friedens zu leisten.
Alle Preisträger werden aus den jeweiligen Ländern eingeladen nach Deutschland zu reisen und diesen Preis persönlich entgegen zu nehmen. Wir würden uns sehr freuen, sofern es die pandemischen Gegebenheiten zulassen, wenn Aristides Nshange (Leiter der Pippi House Foundation) diesen Preis persönlich in Ingolstadt entgegennehmen könnte.

Mit der Verleihung des Menschenrechtspreises einher geht ein Preisgeld, welches für unser großes neues Projekt verwendet werden soll.
Zur Zeit wohnen Aristides, die Frauen und Mädchen in einem angemieteten Bungalow, in dem sich insgesamt acht Räume für über 100 Frauen und Kinder befinden. Ein Leben auf engstem Raum ist nur eine der Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Die Zahlung der monatlichen Miete ist eine Weitere.
Deswegen ist das nächste große Projekt von ProManity e.V. der Kauf eines Hauses für die Pippi House Foundation. Als Eigentümer können wir so nachhaltig in die Zukunft  der jungen Frauen und ihre Kinder investieren.

Wir bedanken uns beim Arbeitskreis Shalom, dass wir durch die Auszeichnung die Möglichkeit haben, den Frauen und Kindern weiterhin ein sicheres Zuhause zu bieten und das Pippi House auch weiterhin jungen Frauen in ein eigenständiges Leben verhelfen kann.

Januar 2020

berichtet über Pippi House

Die Stiftung Menschen für Kinder ist eine gemeinnützige Stiftung, die im Jahr 2007 von Gerda Iden gegründet wurde. Sie hat es sich zum Ziel gemacht die Position der Kinder im Familiensystem zu stärken, ihre Gesundheit zu fördern und auf spezielle Bedürfnisse einzugehen. Dabei spielt die Familienförderung einen zentralen Ansatzpunkt: Ressourcen erkennen, Werte prägen, Bildung vermitteln!
Die Stiftung möchte auf dem Wege der Förderung von Familien Kinder stärken, Gesundheit erhalten, Generationen einbinden und zur Bildung von Wertebewusstsein beitragen. Dem Stiftergedanken liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde, nach dem das Handeln in einem Teilbereich sich auch auf andere Bereiche auswirkt.

Durch das Engagement der Stiftung konnten in den letzten Jahren etliche Projekte durchgeführt oder finanziell unterstützt werden.

Die Stiftung Menschen für Kinder hat die Schulgebühren für das zweite Halbjahr 2019 sowie das erste Halbjahr 2020 finanziert und ermöglicht damit auch denjenigen Mädchen den Schulbesuch, die keine der öffentlichen, kostenlosen Schulen besuchen können, weil sie als „Quereinsteigerinnen“ später als üblich eingeschult wurden.